02/06/2017 - 2 Kommentare

Qualitätssicherung in der Designbranche – ist das überhaupt möglich?

Heute bekommt ihr einen kleinen Brief von mir, gerichtet an die „Kreativen“, ihre „Förderer“ und schließlich an unsere Auftraggeber –

Ein ganz akutes Thema, das zwischen Gestaltern immer wieder auftaucht und mir heute bei Betrachtung einer offiziellen (lokal begrenzten) Kontaktdatenbank für Angehörige unserer Branche mal wieder aufgefallen ist, ist die Frage, ob und wie man mehr Qualitätssicherung unter den Gestaltern und Designern gewähren kann.

Unsere Berufsbezeichnung ist bekanntlich nicht geschützt, und so kann sich eigentlich jeder nur durch seine Arbeit und seinen Auftritt nach außen so präsentieren, dass er möglichst authentisch und seinem Anspruch entsprechend gut rüberkommt. Alles bestens soweit. Bloß wie wird dann nach wahrem Anspruch und Qualität gefiltert?

Die genannte Liste mit Kontakten wird von offizieller Stelle mit dem Stempel „Wir kümmern uns um die kreative Branche“ bereitgestellt, ist für jedermann zugänglich und für den ein oder anderen Suchenden (wie z. B. insbesondere fachfremde Auftraggeber) sicherlich Anlaufstelle, wenn ein Dienstleister für designorientierte Projekte gefunden werden soll.

Ich klickte mich also heute durch diese Datenbank und fragte mich, wie es ein Großteil der Leute überhaupt auf diese Liste schaffen konnte, wenn doch quasi die offizielle Kreativ-Institution mit ihrem „Qualitätssiegel“ dahinter steht.

Wie soll da der Kunde oder Auftraggeber noch einschätzen, was gute und was schlechte Gestaltung ist? Die wird natürlich immer individuell wahrgenommen – aber es gibt eben doch gewisse offensichtliche Qualitätsunterschiede.

Das ist ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt, da es sich zusätzlich auch auf die Wahrnehmung von Gehältern und Preisen auswirkt. Ändern lässt sich daran so schnell wohl leider nichts.

Ein Start in die richtige Richtung ist möglicherweise der Berufsverband der Deutschen Kommunikationsdesigner BDG. Er setzt sich u. a. für ein Verständnis für gutes Kommunikationsdesign in der Öffentlichkeit ein. Man muss zudem nachweisen, dass man für den Verband qualifiziert ist, was einer der Gründe war, warum ich mich für eine Mitgliedschaft entschieden habe.

Für unsere Auftraggeber und Kunden heißt das: bitte macht euch zukünftig selbst vorab ein besseres Bild von euren Auftragnehmern. Schaut euch Referenzprojekte an, unterhaltet euch mit den Designern und stellt auch gerne mal Vergleiche an. Nur weil sich jemand Designer nennt, heißt das nicht, dass er auch wirklich die Kompetenzen eines Designers besitzt, oder der Passende für euer Anliegen ist und zu euch passt. Es gibt auch hier so große geschmäcklerische und qualitative Unterschiede, ein bisschen so wie bei der Wahl des richtigen Abendessen-Spots, bloß dass ein Abendessen schneller wieder vergessen sein kann.

Was ist eure Meinung dazu, welche Erfahrungen habt ihr gemacht und was können wir tun, um die Qualität von Design sicherzustellen und nach außen zu kommunizieren?

Veröffentlicht von: MINDT in Designtexte

Kommentare

Alexander Schwarz
07/06/2017 um 9:25

Hi!
Das ist ein sehr interessantes Thema, mit dem jeder aus der Designbranche mit Sicherheit schon einmal zu tun hatte. Der große Graben liegt nach meinem Empfinden darin, dass wir vor allem in Deutschland eine große Verwässerung des Begriffs «Design» im Allgemeinen haben. Heute ist alles Design, weil sich Produkte und Leistungen mit diesem Zusatz einfach besser verkaufen lassen.

Für Auftraggeber liegt hier die große Schwierigkeit Design nicht als etwas rein Ästhetisches zu sehen, sondern als eine Herangehensweise, Strategie und Gestaltung zur Erfüllung von Nutzen und Zielen. Bevor man unterscheiden kann, wer qualitativ ein guter oder schlechter Designer ist, fehlt es an einer klaren Definition, was gutes Design für die breite Masse überhaupt ist. Ich glaube, dass das vor allem unsere Aufgabe ist, wieder für mehr Qualität einzustehen, mehr Öffentlichkeit und Bewusstsein zu schaffen und vor allem auch spätestens an der Vergütung der Projekte klarzumachen, dass Qualität auch ihren berechtigten Aufwand und Preis hat. Uns fehlt ein deutscher Mike Monteiro. 😉

Die einfachste Lösung, um Auftraggebern in einem regionalen Umfeld eine Vertrauensbasis zu bieten ist, wenn sich Designer eben selbst in «Gruppen» organisieren und gegenseitig weiterempfehlen können, wenn sie ausgelastet sind. So hätte man gemeinsam eine breitere Öffentlichkeit und könnte einen kleinen Pool für ähnlich gelagerte Design-Dienstleistungen anbieten.

Ich wäre sofort dabei und würde umgehend mit der Umsetzung beginnen. 😉

    MINDT
    20/06/2017 um 14:32

    Hi Alex, leider komme ich erst jetzt dazu zu antworten. Danke für deinen Beitrag, da hast du vollkommen Recht! Der Designer-Pool ist eine hervorragende Idee! Lass’ uns doch mal darüber sprechen 🙂

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